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Startseite > Artikel > Bioobstbau - Was ist das eigentlich?

Artikeldatum: 2006-08-12 | Autor: Katharina Dianat | Aufrufe: 16802 | Kategorie: Natur und Umwelt

 

Bioobstbau - Was ist das eigentlich?

Bioobstbau - Was ist das eigentlich? Wer ist nicht schon einmal durch einen Markt geschlendert und hat sich angesichts der vielen verschiedenen Angebote an "Bioobst" gefragt, was ist eigentlich "bio" beim Obst?

Der Konsument verbindet damit Früchte, die ohne den Einsatz von "Spritzmitteln", ohne mineralische Düngung und manchmal auch ohne Schnittmaßnahmen in extensiven Obstanlagen, produziert werden. Diese Definition entspricht jedoch so einfach nicht ganz den Tatsachen.

Grundsätzlich ist im Obstanbau zwischen einer intensiven und einer extensiven Produktionsweise zu unterscheiden. Während sich der Intensivobstbau der Erzeugung des Tafelobstes widmet, ist unter Extensivobstbau, die Produktion von Verarbeitungsobst zu verstehen. Typischer Extensiver Obstbau ist der Streuobstbau, welcher ein unverzichtbares Element in den heimischen mittleren und höheren Lagen der Landschaft darstellt. Die großkronigen, hochstämmigen Obstbäume liefern die Grundlage für die heimische Obstverarbeitung. Neben ihrer Funktion als Früchtelieferanten, beleben und verschönern sie als Alleebäume, Windschutz oder Einzelbaum die Landschaft. Zudem sind sie ein wichtiges Habitat, ein Rückzugsgebiet für viele Pflanzen oder Tiere, die ansonsten kaum mehr Überlebenschancen hätten. Doch nicht nur Wiedehopf und Sperlingskauz schätzen die alten Bäumen als Rückzugsgebiete, auch für die Menschen, die mit und unter ihnen leben, ist ein blühender Baum oder ein schattiges Plätzchen im Sommer von unschätzbaren "Erholungs"-Wert.

Dennoch liegt es auf der Hand, dass die meisten am Markt erhältlichen Tafelfrüchte, aus "Intensiv"- Obstanlagen, von Bauern stammen, die ihre Haupteinkommensquelle im Obstanbau haben.

Und doch ist das Wort "intensiv" nicht mit "Alles-tot-spritzen" zu verwechseln. Wie der Apfel oder die Kirsche nun tatsächlich produziert wird, welche Philosophie dahinter steckt, dass ist der springende Punkt.

Wenn der Käufer am Markt "aus naturnaher Produktion (=IP)" liest, muss es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um Obst handeln, das nach den Richtlinien für den "kontrollierten naturnahen Obstanbau" erzeugt wurde Im naturnahen (= "integrierten") Obstbau wird versucht, unter Schonung der Umwelt auf eine wirtschaftlich vertretbare Weise qualitativ hochwertige Früchte zu ernten. Um das zu erreichen ist eine Vielzahl von Richtlinien zu beachten, deren Einhaltung von der staatlich eingerichteten Gesellschaft AMA (Agrarmarkt Austria) kontrolliert wird. Nur Betriebe, die eine Einhaltung der IP- Richtlinien nachweisen können, dürfen ihr Obst auch als "naturnah produziert" vermarkten. Herzstück dieser Produktionsmethode ist der "integrierte Pflanzenschutz": Dabei wird versucht, durch Nützlingsförderung, richtige Sorten- und Standortwahl der Obstbäume und gezielten Schnitt, den Einsatz von CHEMISCHEN Pflanzenschutzmitteln möglichst gering zu halten. Es wird für jeden Schaderreger (zum Beispiel Blattläuse oder Schorfbefall) eine "Schadschwelle" festgelegt, bei der der "angerichtete" wirtschaftliche Verlust, die Kosten für den Einsatz eines Präparates überschreitet. Ist die Schadschwelle erreicht, kommt das Spritzmittel, als eine Art "Medikament" für die befallenen Pflanzen, zum Einsatz.

Der chemische Pflanzenschutz muss in einem Betriebsheft eingetragen werden, welches ebenfalls kontrolliert wird. Wirkliches BIOOBST ist allerdings nur jenes, das aus "Biologischem Obstbau" stammt.

Der wesentlichste Unterschied zur Integrierten Produktion ist, dass bei der biologisch arbeitenden Wirtschaftsweise, die Obstkrankheiten nicht bekämpft, sondern deren Ursachen behoben werden sollen. Durch die Förderung der Bodenfruchtbarkeit und gezielte Auswahl von widerstandsfähigen Sorten, sollen so gesunde Pflanzen erzeugt werden, denen ein eventueller Schädlingsbefall nichts oder nur wenig anhaben kann.

Durch die Auswahl einer schorfresistenten Apfelsorte können Schorfspritzungen weitgehend vermieden werden. Oder es verwirren z.B. in der Apfelanlage aufgehängte Pheromonfallen tierische Schädlinge anstatt sie "totzuspritzen" Ist jedoch eine Behandlung unbedingt notwendig, so wird auf Mittellösungen aus verschiedenen Pflanzenwirkstoffen zurückgegriffen, die nicht anders als "normale" Pflanzenschutzmittel genauestens überprüft und dann erst zugelassen werden.

Neben dem weithin bekannten Pyrethrumextrakt, kommen unter anderem Extrakte und das Holzmehl verschiedener tropischer Sträucher (Quassia, Ryania, Neeme) zur Anwendung. Bekannt ist auch, die Ausbringung von Präparaten aus Bacillus. thuringensis und des Granulosevirus gegen den Apfelwickler. Dabei muss allerdings bedacht werden, dass auch pflanzliche Wirkstoffe Gifte sind, denn auch sie dienen demselben Zweck, nämlich der Vernichtung der Schädlinge oder Krankheitserreger.

Bei der Bioobstproduktion endet die Welt nicht am Obstgartenzaun. So darf der ausgebrachte Dünger, zum Beispiel Stallmist, nur aus Betrieben stammen, die selbst anerkannte "Biobetriebe" sind. Werden anorganische Dünger verwendet (z.B.: P, Ca, K) muss ihr Bedarf mittels einer Bodenuntersuchung bei der Kontrollstelle nachgewiesen werden. Grundsätzlich dafür dürfen nur langsam wirkende (nicht wasserlösliche) mineralische Dünger verwendet werden. Außerdem kommt der Förderung der Artenvielfalt eine wichtige Rolle zu. Sie sorgt für eine größere Stabilität des Ökosystems und verhindert so, dass sich eine Art (z.B. die Blattläuse) explosionsartig vermehren und Schaden anrichten kann.

Besonders der Pflege der Fahrgassen zwischen den Obstreihen, kommt da besondere Bedeutung zu. Ein blühender Unterwuchs bietet Nektar und Pollen, den Nützlinge in bestimmten Entwicklungsstadien benötigen (z.B. Florfliegen, Schwebfliegen oder Schlupfwespen).

"Fangpflanzen" können von Blattläusen besiedelt werden, die dann den Bäumen nicht mehr schädlich sind und den Marienkäfern auch "Ersatznahrung" bieten, wenn auf den Bäumen gerade "wenig zu holen" ist. Grundsätzlich ist Mähen schonender als Mulchen, denn dem Mulchgerät können nur wenige Tiere entkommen. Eine gute Methode ist es, "alternierend" die Fahrgassen frei zu halten. Das heißt jeweils nur jede 2. Fahrgasse wird gemäht oder gemulcht. Die anderen Fahrgassen werden einige Zeit später bearbeitet, so, dass immer "Fluchtflächen" frei bleiben.

Der Förderung der Artenvielfalt kommt auch das Anlegen oder Erhalten von Hecken (dabei sollte auf feuerbrandresistente Gehölze geachtet werden), hohen Einzelbäumen oder Feuchtstellen (Bienentränken, Gräben, etc.) entgegen. Direkte Nützlingsförderung wird durch das Aufhängen von Nisthilfen für Vögel, Insekten und Fledermäuse erreicht. So erleiden zum Beispiel Florfliegen (die sich hauptsächlich von Blattläusen ernähren) im Winter oft große Verluste. Ein einfacher strohgefüllter Unterschlupf kann hier Abhilfe schaffen. Steinhaufen, Trockensteinmauern oder Reisighaufen, bieten Unterschlupf für Igel und Mauswiesel.

Natürlich gibt es auch in der ökologischen Obstproduktion Kontrollinstanzen, die die Einhaltung der Richtlinien der verschiedenen Bioverbände überprüfen. Oberhoheit hat auch hier die AMA, die in Zusammenarbeit mit den Verbänden, die Anerkennung als Biobetrieb und die verschiedenen Gütesiegel verleihen.

Eine ganzheitliche Sichtweise in der Obstproduktion ist natürlich auch eine Kostenfrage. Wer sich zum Beispiel die Mühe macht, händisch überzählige Früchte auszudünnen anstatt sie einfach vom Traktor aus chemisch herunterzuspritzen, der muss dafür auch einen höheren Preis für sein Produkt verlangen. Ökologische Produktion ist für manche ein Hobby, für viele ein Beitrag zum gesunden Hausgartenbau. In der Mehrheit ist es der Lebensunterhalt für den Obstbauern, seine Familie und den Betrieb. Darüber hinaus wird aber immer der Konsument am Markt, die letzte Instanz bleiben und mit seinem Kauf darüber mitentscheiden, welche Produktionsweise letztendlich die erfolgreich bleiben kann.

 
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